Unterschiedliche Führungsstile – autoritär oder doch lieber laissez-faire?
Freepik © kelvn-photo„Meine Mitarbeiter:innen sollen tun, was ich ihnen sage!“ – so einfach stellt man es sich in einer Führungsposition vielleicht vor, aber mit dem Kopf durch die Wand führt selten der beste Weg. Längst sind wir in einer Zeit angekommen, da sich das Verhältnis zwischen Chefs und Mitarbeiter:innen gewandelt hat – starre Hierarchien sind oft nur noch nach außen hin vorhanden aber Entscheidungsbefugnisse müssen immer noch klar in der Verantwortung der Führungsebene liegen. Aber wie gestaltet man den Umgang mit den Angestellten und welcher Führungsstil ist der bessere?
Autoritär: "Ich Chef, Du nix?"
Der Autoritäre Führungsstil gestaltet sich nach den drei Komponenten „Anweisung, Überprüfung und Korrektur“. Die Mitarbeiter:innen bekommen von der verantwortlichen Führungskraft klare Anweisungen, die sie auszuführen haben. Die Kontrolle, ob die Ausführung in den nötigen Schritten korrekt angegangen und umgesetzt wird, obliegt ebenfalls der Führungskraft.
Solltest diese feststellen, dass dem nicht so ist, dann sollte sie korrigierend eingreifen. So können Fehler vermieden und die Angestellten dazu angehalten werden, sorgfältiger zu arbeiten.
Beim autoritären Führungsstil finden Entscheidungsfindungsprozesse ohne die Mitarbeiter:innen statt. Die Entscheidungen sowie die Aufgabenverteilung liegen klar in der Führungsebene, was den einzelnen Mitarbeiter:innen keine erhöhte Eigenverantwortung oder Kreativität abverlangt.
Die Vorteile aus Sicht der Führungsposition sind ganz klar: Man behält die Zügel in der Hand, gibt keinen Entscheidungsprozess aus der Hand und verlässt sich auf den altbewährten Grundsatz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Hierzu gehören ebenso Tools zur Arbeitszeiterfassung, um Optimierungsprozesse zu ermöglichen.
Laissez-faire: "Dann macht doch, was ihr wollt!"
Im Idealfall ist das doch eine gute Lösung: Die Mitarbeiter:innen haben in einer perfekten Welt genau den Job, den sie sich gewünscht haben. Sie wollen also gerne arbeiten und gute Ergebnisse abliefern – also ist das „was ihr wollt“ ja auch genau das, was man sich für seinen Betrieb wünscht: Motivierte Mitarbeiter:innen, die eigenständig ihren Aufgaben nachgehen und gute Ergebnisse abliefern.
Ganz so einfach ist das in der Praxis nun auch wieder nicht. Aber Mitarbeiter:innen, die in die Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden, ihre Meinung äußern und vor allem bei den Prozessen und Projekten in der Planung mitwirken dürfen, die sie später ausführen müssen, sind ein guter Anfang.
Menschen, die mit Eigeninitiative arbeiten und bei Gesprächen mitwirken dürfen, bieten auch Vorteile: Generell denkt der Schwarm besser als der Einzelne/die Einzelne. Diesen Schwarm- oder auch „Crowdsourcing“-Effekt kann man als Führungskraft im Betrieb dafür nutzen, innovative Lösungen für Probleme, neue Arbeitsverfahren oder andere Optimierungen gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen zu entwickeln. Denn: Viele Augen sehen mehr als nur zwei, jeder hat einen anderen Erfahrungsschatz und andere Fähigkeiten, die so gewinnbringend für das Unternehmen eingesetzt werden können.
Allerdings ist bei geringerer Autorität auch immer ein gewisser Kontrollverlust möglich. Wer keine klaren Linien vorgibt oder keine Konsequenzen auf etwaiges Fehlverhalten seiner Mitarbeiter:innen folgen lässt, dem tanzen die Untergebenen bald auf der Nase herum oder sie fühlen sich orientierungslos, weil klare Arbeitsanweisungen fehlen.
Welcher Typ bist du?
Einen Führungsstil an den Tag zu legen, der dem eigenen Charakter nicht entspricht, wäre wenig zielführend. Somit solltest du als Führungskraft vorab ausloten, wo deine Charakterstärken und -schwächen liegen. Bist du generell jemand, der sehr streng oder aufbrausend ist? Oder bist du eher zu nachsichtig oder nachgiebig?
Niemand kann aus seiner Haut, aber nützliche Verhaltensweisen kann man trainieren und verstärken. Zahlreiche Coachings, Ratgeber oder auch Blogs von und für Führungspersönlichkeiten können hier weiterhelfen.
Aus diesem Grund kann man auch nicht verallgemeinernd angeben, welcher der beiden sehr unterschiedlichen Führungsstile der bessere ist. Immer in Abhängigkeit von Branche, Unternehmensgröße und den Bedürfnissen der einzelnen Mitarbeiter:innen muss auch der Führungsstil angepasst sein.
Wichtige Eigenschaften für jeden Stil
Ein paar Gewohnheiten und Eigenschaften sollte man in jedem Fall besitzen, wenn man von seinen Mitarbeiter:innen geschätzt und respektiert werden will:
- Aktives Zuhören und Ernstnehmen der Mitarbeiter:innen
- Einfühlungsvermögen und Verständnis bei Problemen zeigen
- Klare Arbeitsanweisungen geben und gute, interne Kommunikation, um Missverständnisse zu vermeiden
- Fehlverhalten diplomatisch, aber bestimmt korrigieren
- Zeit für regelmäßige Mitarbeitergespräche
- Für neue Anregungen der Angestellten offen sein