Shit happens! Das richtige Fehlermanagement

Wer mit seinem Versagen ehrlich umgeht, sich das Problem klarmacht und sich die richtige Unterstützung holt, der ist auf dem richtigen Weg und kann auch größere Fehler wieder gutmachen. Wir zeigen dir, wie du kleine und auch große Fehltritte im Job wieder ausbügelst.

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Jun. 2022

Niemand versagt gerne. Es ist beschämend, entmutigend und verwirrend. Dabei hat jeder schon einmal die in ihn gesetzten Erwartungen enttäuscht – und niemand ist ein für allemal zum Scheitern verurteilt.

Wer mit seinem Versagen ehrlich umgeht, sich das Problem klarmacht und sich die richtige Unterstützung holt, der ist auf dem richtigen Weg und kann auch größere Fehler wieder ausbügeln.

Die Meinung der Experten

Kaum jemand gesteht sich sein eigenes Versagen ein. Selbst wenn Vorgesetzte, Kollegen oder Personalchefs einschreiten und einen darauf hinweisen, dass man hinter ihren Erwartungen zurückbleibt, fällt es den meisten Menschen schwer, wirklich einsichtig zu sein. Oftmals versucht man instinktiv, Gründe für die eigenen Fehler zu finden und sich so herauszureden. Das passiert meistens automatisch als eine Art Schutzmechanismus, denn gerade bei gravierenderen Fehltritten fällt es schwer, die Schuld mit allen Konsequenzen auf sich zu nehmen.

Aber egal, wer feststellt, dass man versagt hat – dass man es sich selbst eingesteht ist mit das Wichtigste! Wer den eigenen Lapsus zugibt und dazu steht, dem wird am Ende mehr Respekt und Wohlwollen zuteil, als dem, der versucht, die eigenen Fehler zu vertuschen und herunterzuspielen. 

Also, steck nicht den Kopf in den Sand! Unsere Schritte können dir dabei helfen, dein eigenes Scheitern gelassener zu sehen und konstruktiv zu nutzen. 

1. Merkzettel

1. Akzeptieren und verstehen

Wir sind alle unglaublich gut darin, Situationen im Nachhinein so zu bewerten, dass wir uns einreden können, es wäre alles nicht unsere Schuld gewesen. Natürlich will man den Fehler nicht bei sich selbst suchen, und oft ist er auch nicht gleich offensichtlich. Meistens gibt es mehrere Gründe dafür, dass man an bestimmten Aufgaben scheitert. Möglicherweise wurde man nur unzureichend instruiert oder das Team arbeitet nicht gut zusammen.

Egal welche Indizien darauf hinweisen, dass man versagt hat – seien es Verkaufszahlen, ständige Kritik von Vorgesetzten oder Kollegen oder direkte Rückmeldungen – wichtig ist, dass man alle Informationen angemessen bewertet. 

Gerade, wenn uns unsere Arbeit schwer fällt, neigen wir dazu, die Schuld bei äußeren Umständen zu suchen. Meist ist man unbewusst zu seinen eigenen Gunsten voreingenommen. Man redet sich zum Beispiel ein, man hätte eben ein schwierigeres Verkaufsgebiet oder ein schwerer zu leitendes Team erwischt.

Das kann natürlich zutreffen, aber es ist wahrscheinlich, dass auch das eigene Verhalten zum Versagen beiträgt. Manzoni empfiehlt, die eigenen Leistungen genau unter die Lupe zu nehmen und scharf zwischen den Dingen zu unterscheiden, die man selbst ändern kann, und denen, mit welchen man einfach leben muss. Hackman schlägt außerdem vor, Kollegen nach ihrer Meinung zu fragen, um besser zu verstehen, warum man seine Arbeitsziele nicht erreicht. Allerdings sollte man nicht einfach fragen: "Und, was hältst du von meiner Arbeit?" In der Regel ist es wesentlich hilfreicher, Bestätigung oder Kritik an Eigen-Beurteilungen zu erfragen, als jemandem eine offene Frage über seine Arbeit im Allgemeinen zu stellen.

2. Bitte um Hilfe und hole dir Feedback ein!

Wenn du Mist baust, solltest du ehrlich zu deinem Vorgesetzten sein. Viele Chefs reagieren verständnisvoller auf ein "Ich brauche Hilfe" als auf die Erklärungs- und Entschuldigungsversuche, die oft auf einen Fehler folgen.

Sei konkret in dem, worum du bittest. Andere sind eher bereit, dir zu helfen, wenn du ihnen genau sagst, wie sie dir helfen können und wenn du ihnen zeigen, dass du dennoch die Verantwortung für deine Aufgaben übernimmst.

Auch andere mit einzubeziehen – Kollegen, Mentoren oder auch Weisungsbefugte – kann hilfreich sein. Frage nach, wie du auftrittst und bitte um Verbesserungsvorschläge. Diese Fragen erfüllen zwei Ziele: Einerseits helfen sie dir, wertvolle Erkenntnisse über dein eigenes Verhalten zu gewinnen. Andererseits lässt es deine Mitmenschen wissen, dass du an diesen Bereichen arbeitest. Und wenn sie das wissen, sind sie eher bereit, im Zweifelsfall für dich zu sprechen, wenn sie deine zukünftige Arbeit einschätzen sollen.

3. Fokussiere dich!

Eine dreiteilige Checkliste kann Ihnen dabei helfen, die Situation zu bewerten:

  1. Aufwand
    Stecke ich genügend Zeit und Energie in meine Arbeit?
  2. Herangehensweise
    Arbeite ich situationsgemäß oder eher routinemäßig?
  3. Talent
    Habe ich die Eigenschaften, das Wissen und die Fähigkeiten, um meine Arbeit gut zu machen?

Beantworte dir diese drei Fragen ganz ehrlich und selbstkritisch, dann bist du schon einen Schritt weiter. Du musst dir bei 1. einräumen, dass du eigentlich schon ein wenig mehr Einsatz zeigen könntest? Dann weißt du doch, was zu tun ist!

Auch im Worst Case Scenario, wenn du dir eingestehen musst, dass du nicht ganz das Zeug für deinen aktuellen Job hast, ist das eine wertvolle Erkenntnis. Klar, im ersten Moment sind die logischen Konsequenzen (kündigen, neuen Job suchen) erschreckend. Aber wenn du ehrlich bist, wärst du dann in diesem Job nie gut geworden. Und glücklich schon gleich gar nicht!

4. Stelle deinen Ruf wieder her

Wenn du beginnst, deine Arbeitsleistung zu verbessern, wirst du mitunter feststellen, dass dein Ruf bereits Schaden genommen hat. Das aussagekräftigste Signal ist, wenn du aus wichtigen Arbeiten ausgeschlossen wirst oder wenn du bei der Verteilung gewinnbringender Aufträge übersehen wirst. Wenn das passiert, musst du genau aufpassen, wie du mit den anderen umgehst. Du musst nicht nur besser arbeiten, sondern du musst auch dabei gesehen werden!

Das heißt: Wenn du etwas geschafft hast, teile deinen Erfolg! Frage nach Feedback, um sicherzugehen, dass alle deine Verbesserungen sehen.

Frage zum Beispiel: "Ich habe das und das getan, um dieses und jenes zu erreichen. Haben Sie irgendwelche Veränderungen bemerkt? Gibt es noch weitere Dinge, die Sie mir empfehlen können?"

Sei dabei geduldig. Es dauert seine Zeit, bis eine Verbesserung bemerkt wird, und noch mehr Zeit, bis die Leute wieder aktiv mit verantwortungsvoller Arbeit auf dich zugehen.

2. Merkzettel

Das solltest du tun:

  • Erkenne, was du ändern kannst und was nicht.
  • Frage ehrlich nach Ratschlägen und Feedback.
  • Beziehe andere in deine Verbesserungsvorschläge mit ein, so dass sie deine Fortschritte sehen und anerkennen können.

Das solltest du bleiben lassen:

  • Deinen Fehler verteidigen und die Schuld dafür Ereignissen oder anderen Leuten zuschieben.
  • Davon ausgehen, dass andere deine Verbesserungen von selbst bemerken.
  • Bei einer Arbeitsstelle bleiben, bei der du für immer als Versager gelten.

Auch wenn es unangenehm ist - steh dazu, dass du nicht unfehlbar bist. Du bist wie jeder andere nur ein Mensch und das darf auch jeder wissen! Eine authentische Art mit Ecken und Kanten wirkt auf die meisten ohnehin viel sympathischer als eine makellose Fassade.

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