Interview

Social Media-Trends 2013, Teil II

Social Media-Experte Michael Praetorius erklärt, wie mobile Radionutzung und Streaming das Radiomarketing verändern.
18. Februar '13 | von Katharina Bösch

BROADCAST-FUTURE: Herr Praetorius, wie wichtig ist  aktuell die Optimierung von Senderwebseiten für mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets?

Michael Praetorius
Michael Praetorius

Michael Praetorius: Bei allen Websites, die wir derzeit mit Kunden optimieren oder erstellen, gibt es das Motto „Mobile first“. Smartphones sind keine Neuerscheinung mehr. Viele Nutzer erreichen wir zuerst mobile oder ausschließlich mobil. Radiosender sollten Menschen durch den ganzen Tag begleiten – da ist ein auf mobile Geräte optimiertes Angebot unverzichtbar. Ich meine damit nicht nur die Webradio-App, sondern eine breite Palette von Angeboten, die online unterwegs verfügbar und nutzbar sein sollten. Hier gäbe es für die Sender eine große Chance, ihre überladenen Websites aufzuräumen und sich auf das zu konzentrieren, was dem Hörer unterwegs den größten Mehrwert liefert.

 

BROADCAST-FUTURE: Welche Auswirkungen wird die wachsende Zahl der Streaming-Angebote auf Radiosender haben?

 

Michael Praetorius: Audio- und Videostreaming ist dabei die anderen Übertragungswege zu verdrängen. ARD- und ZDF streamen jetzt sogar das gesamte TV-Programm live. Nahezu jede Stereoanlage oder jeder Fernseher hat einen Online-Zugang. Viele Autos haben den USB-Anschluss für das Smartphone und können den Sound von Apps wie Spotify oder Radiosendern wiedergeben. Junge Zielgruppen hören oder schauen klassische TV- und Radioangebot nicht über den klassischen Distributionsweg, sondern online. Ich sehe die Gefahr, dass der Werbemarkt sich so weit verlagert, dass nur wenige große Sender es sich leisten können, einzig mit ihrer unschlagbaren Reichweite den Werbemarkt zu umgarnen. Werbetreibende werden sich womöglich weiterhin für entweder Masse entscheiden, oder Budgets in gezielte Werbemaßnahmen mit Targeting investieren. Wer weder massenhafte Reichweite noch spitzes Targeting bieten kann, wird es schwer haben.

 

BROADCAST-FUTURE: Bedeutet das, dass in Zukunft jeder kleine Sender sein eigenes Internetradio betreiben müsste?

 

Michael Praetorius: Nein, so einfach kann man das nicht sagen. Die Industrie muss sich zusammensetzen und neue Konzepte entwickeln. Bei Streaming geht es ja nur um die Musik, Radio vermarktet seine Inhalte auch über Personalities. Wenn man beides kombiniert, kann das wunderbar klappen, aber nicht mit altem Wein in neuen Schläuchen. Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang auch die Zeitsouveränität des Publikums. Hörer wollen Inhalte nicht mehr einfach zu einer bestimmten Zeit vorgesetzt bekommen, sondern selbst entscheiden, wann etwas aus dem Lautsprecher kommt.
Fernsehsender stellen sich derzeit der Herausforderung. Sie sichern sich Online-Rechte, um Sendungen jederzeit live und auf Abruf zeigen zu können. Bei Radiosendern meint man nach der Erfindung von Podcasts sei die Zeit stehen geblieben. Online sind Radioprogramme ist eine einzige Suppe, ich kann nicht vorspulen oder im Programm zu der Stelle zurückspringen kann, wenn ich diese  noch einmal hören möchte. Sender haben es bislang verpasst, sich beispielsweise für die Songs ihrer Hot-Rotation auch die OnDemand und Streamingrechte für die Website oder Apps zu sichern. Wie toll wäre es, wenn Hörer nicht nur ihre Lieblingscomedy sondern auch einen bestimmten Song immer wieder hören könnten. Wenn ich mich für so eine Möglichkeit bei einem Sender im Webradio registrieren müsste, wäre das eine geringe Hürde.

 

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews »

Michael Praetorius, geboren 1978 in München, lebt als Publizist und Medienberater in München und Berlin. Dort leitet er die Geschäfte der NOEO GmbH. Michael Praetorius ist langjähriger TV- und Hörfunkjournalist. Zudem ist er Dozent für Journalismus, Medienmanagement und Social Media. Privat agiert er als Video-Blogger in der Münchner Isarrunde und der Berliner Spreerunde.

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